In meinen Social Media-Workshops & -Beratungen betone ich immer: “Wenn Sie keinen Twitter-Kanal möchten, dann können Sie über Twitter auch nicht kommunizieren.” Ist doch logisch, sagen Sie vielleicht. Und auch verständlich, vor allem, wenn Sie ohnehin kaum freie Ressourcen haben.
Eine der Stärken von Twitter ist die schnelle, unmittelbare Art über 140-Zeichen-Nachrichten zu kommunizieren. Damit ist Twitter ein idealer Kanal für die Krisenkommunikation.
Angesichts der vielen Krisen, die Flugreisende und Fluglinien 2010 überstehen mussten, kann ich Unternehmen Twitter ans Herz legen, die im Falle des Falles
- auf eine schnelle Kommunikationsplattform angewiesen sind, um
- mit einer Vielzahl von Kunden weltweit zu kommunizieren.
Das wird im Einzel-Reisebüro, einem Friseurgeschäft, dem Familienhotel, einer ländlichen Tourismusregion nicht wirklich überlebensnotwendig sein, weil die Kunden nicht auf der ganzen Welt verteilt sind.
Gerade im momentanen Schneechaos, der den Verkehr auf vielen europäischen Flughäfen zum Erliegen gebracht hat (in Brüssel haben rund 1500 Passagiere bereits zwei Nächte am Flughafen verbracht), kann ich beobachten wie Twitter in der Krisenkommunikation eingesetzt wird.
Ich habe die Webseiten und Twitter-Konten der Flughäfen von Frankfurt, Heathrow, Brüssel und Paris untersucht.
Heathrow beweist auf Twitter Nerven und Geschick
Platz 1 geht definitv an den Flughafen von London. Heathrow twittert nicht nur vorbildlich, auch auf der Webseite ist der Hinweis auf die Krisensituation nicht zu übersehen. Bei dessen Formulierung wird genau auf die Situation der Gestrandeten eingegangen. Es wird auf aktuelle Meldungen auf Twitter hingewiesen sowie auf eine vollständige Liste aller Airlines inklusive Telefonnummer und Website-Adressen. Direkt auf der ersten Seite finden sich die aktuellen bzw. usprünglich geplanten Start- und Landezeiten.

Wenn Sie sich die aktuellen Tweets von Heathrow ansehen, fällt Ihnen sicher sofort auf, dass Heathrow auf alle an den Flughafen gerichteten @-Meldungen, also öffentlichen Tweets, antwortet.

Es gibt keine Ausnahmen! Jeder über Twitter Hilfesuchende erhält eine Nachricht. Für konstruktives Feedback wird gedankt. So regte dieser internationale Reisende an, dass die Zeitangaben präziser werden sollten:

Die Antwort von Heathrow:

Das ist ein gelebtes Beispiel von Twitter bzw. Social Media für Service-Verbesserung durch Kundenfeedback!
Flughafen Frankfurt & Twitter
Ähnlich vorbildlich re/agiert der Flughafen Frankfurt. Auf der Webseite wird auf Verspätungen hingewiesen. Die Abflüge und Landungen sind gleich darunter zu sehen. Ebenso wie Heathrow wird intensiv mit allen kommuniziert, die über Twitter Infoanfragen versenden:

Twitter in der Krisenkommunikation beim Flughafen Brüssel
Der Flughafen von Brüssel bewahrt auch im Schneechaos starke Nerven. So wurde über Twitter kommuniziert, dass für die gestrandeten Passagiere Filmabende angeboten werden, mit der Bitte, diese Meldung eifrig zu retweeten – also über Twitter weiterzuverbreiten. Dieser Bitte sind viele nachgekommen. Heiter ist auch die Tatsache, dass der Webmaster ein Bild von sich in Aktion twittert:


Viel wird nicht über twitter.com/brusselsairport kommuniziert, was daran liegt, dass nicht so viele @-Meldungen getwittert wurden. Dafür wurde sogar auf das Wohl so manches gestrandeten Twitter-Nutzers eingegangen:


Weil die Webseite des Brüsseler Flughafens wegen des chaosbedingten Ansturms kollabiert ist – der Alptraum jedes Webmasters (auch deswegen wundere ich mich ein wenig über die heitere Ansage mit Bild – ) wurde der Auftritt auf eine schnelle Minimalversion reduziert, die alle wichtigen Infos kommuniziert.

Twitter an den Flughäfen von Paris
Enttäuschend fällt meine Analyse der Krisenkommunikation der Pariser Flughäfen aus. Nur auf der französischen Version wird der Hinweis auf das Chaos auffällig genug platziert, kombiniert mit einem Twitter-Widget.

Auf der englischen Version gibt es wenig weiterführende Unterstützung:

Auf den Twitterkanal wird gar nicht erst hingewiesen. Schauen wir uns an wie CDG und Orly angesichts des Schneechaos Twitter einsetzen:

Wie gesagt, enttäuschend, wenn für mich auch nicht ganz überraschend. Hier wird Twitter als Einbahn verstanden. Anders als in Heathrow kommen zwar nicht übermäßig viele @-Meldungen, auf diese wird dennoch nicht erst reagiert. Buh! Und das im Land, in dem die größte europäische Social Media-Konferenz LeWeb stattfindet!
Update: Und hier ist auch schon die Antwort vom wackeren Webmaster des Flughafen Bruxelles wenige Sekunden später auf meinen getwitterten Blogeintrag:

Merci
Auch an Frankfurt

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