Hoteliers sind wohl unter den ersten gewesen, die die praktischen Folgen von Social Media – insbesondere Bewertungsplattformen – zu spüren bekommen haben. Die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) erkannte schon 2006 als eine der ersten Tourismusorganisationen im deutschsprachigen Raum, wie bedeutend Web 2.0 bzw. Social Media für Hoteliers werden würde.
Mein Interview mit ÖHV-Geschäftsführer Thomas Reisenzahn über Facebook, Foursquare und natürlich Bewertungsplattformen ist auch für Tourismusverbände, Reisebüros und andere Tourismusmarketeers interessant.
Woran hat sich schon 2006 die Bedeutung von Social Media für Sie abgezeichnet?
Das Internet ist sehr schnelllebig und die Entwicklungen schreiten immer rasanter voran. Gäste haben schon immer miteinander geredet und werden es auch weiterhin tun. Als durch neu entwickelte Medien und Tools plötzlich die Möglichkeit bestand, die Kommunikation mehr ins Web zu verlagern, war klar, dass dies über kurz oder lang auch für die Hotellerie eine entscheidende Rolle spielen kann.
Inwiefern hat sich die Stimmung gegenüber Social Media unter den Hoteliers in den vergangenen Jahren geändert?
Die Hoteliers treten neuen Technologien und Entwicklungen gegenüber offen auf. Es besteht zwar nach wie vor großer Aufklärungs- und Weiterbildungsbedarf, jedoch erkennen immer mehr Unternehmer die sich neu bietenden Chancen.

Thomas Reisenzahn
Für wie wichtig halten Sie es, dass Hoteliers am Puls der Online-Trends bleiben?
Sehr wichtig! Nur wer sich am Laufenden hält, kann bei Bedarf rechtzeitig in die richtige Richtung lenken.
Ganz provokant gefragt: Muss ein Hotel bei Twitter, Facebook, YouTube & Co. mitmachen, damit es auch in Zukunft die Betten füllt?
Das kommt ganz auf den Betrieb an. Jedes Hotel hat ein unterschiedliches Zielpublikum. Mit dem Wissen über die Funktionalität der verschiedenen Bereiche im World Wide Web muss jeder selbst entscheiden ob und welche der neuen zur Verfügung stehenden Kanäle ihm Nutzen bringen kann.
Was halten Sie von Facebook Plazes oder Diensten wie Foursquare? Sollte jedes Hotel diese Services aufgreifen?
Es ist sicher nicht falsch, solche Dienste aufzugreifen, jedoch sehen wir es noch nicht als „must-have“. Hier gilt es, die Trends weiter zu beobachten.
Anfangs waren Hoteliers sehr skeptisch, was Hotelbewertungsplattformen betrifft. Die größten Befürchtungen waren Manipulationen oder Rachebewertungen. Haben sich diese Themen relativiert?
Wir stehen in ständigem Kontakt mit den führenden Bewertungsportalen und haben durch die Mitarbeit an den HOTREC-Kriterien auch gute Richtlinien für diese geschaffen. Viele Plattformen beugen der Manipulation mittels Prüfsystemen bereits vor und ermöglichen Feedback des Hoteliers zu den einzelnen Bewertungen. Mittlerweile ist, denke ich, jedem Hotelier klar, dass der Nutzen aus gesammelten Bewertungen weit höher liegen kann, als die von schlechten Beurteilungen ausgehende Gefahr.
Beobachten Sie eine Budgetverschiebung von klassischer Werbung zur Online-Werbung, und von dort ins Social Web?
Das kommt ganz darauf an, welche Gästeschicht angesprochen werden soll. Es gibt bereits Hotels, die auf Print-Medien und Postwurfsendungen zur Gänze verzichten. Andere Betriebe haben durch klassische Werbung nach wie vor den höchsten Response. Im Durchschnitt ist aber natürlich eine Verschiebung zu erkennen und wird laut Umfragen in Zukunft noch stärker zum Tragen kommen.
Wenn Sie Hotelier wären, wo würden Sie in Sachen Werbung und Kommunikation die Schwerpunkte setzen?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Es hängt, wie schon gesagt, sehr von der Art des Betriebes, der Region und natürlich dem jeweiligen Zielpublikum ab. Man sollte aber neuen Technologien und Möglichkeiten auf jeden Fall aufgeschlossen gegenübertreten.
Möchten Sie auch am Puls des Internets bleiben? Die ÖHV startet ab 11. Oktober mit dem zweiten Lehrgang für “Online Vertrieb & Social Media”. Mehr Infos gibt es auf der ÖHV-Seite>
Nostalgischer Lesetipp: Im Dezember 2006, ich feierte Weihnachten auf der Osterinsel, kontaktierte mich die ÖHV. Nicht einmal drei Monate später hielt ich bereits die ersten Vorträge über den Einsatz von Social Media für die ÖHV-Hoteliers.
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Foto: ÖHV/Florian Lechner


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