Letztens las ich im Wirtschaftsteil meiner Lieblingszeitung, dass über ein österreichisches Hotel der Konkurs eröffnet wurde. Das traf mich zutiefst. Nicht, weil ich es kannte. Nein, ich hatte noch nie von diesem Hotel gehört. Sondern, weil ich als Selbstständige und vor allem als Tochter von spät berufenen Unternehmern, mit jedem Kollegen mitfühle.
Egal ob Kebab-Bude, Modeladen oder eben Hotel: Mein Herz blutet, wenn ich sehe, dass es einem Unternehmen schlecht geht. Natürlich konnte ich meine journalistische Neugier nicht bändigen. Auf den ersten Blick fiel mir auf der Webseite des Hotels nichts auf. Sie war solide, nicht besonders modern, aber die vielen angepriesenen Packages auf der Startseite zeigten, dass sich das Hotel um Gäste bemüht hatte. Ansonsten wurde mir nicht klar, was dieses Hotel besonders, anders oder überzeugender macht.
Social Media? Fehlanzeige.
Aber halt, nicht dass Sie glauben, ich hielte den Einsatz von Facebook & Co für ein Allheilmittel. Aktive Fans, die sich aus treuen Kunden zusammen setzen, sind sicher gute Verbündete. Aber eben nicht ein Garant für den Fortbestand eines krisengeschüttelten Unternehmens.
Was mir dann doch auffiel: Das marode Hotel hatte einen Pressebereich. Und nicht nur das. Es wurde von einer renommierten PR-Agentur beraten. Davon zeugten regelmäßige Presseaussendungen. Da musste ich innehalten. Als PR-Beraterin war ich natürlich beunruhigt. Denn was bedeutet das für meine „Kunst“, wenn PR diesem Hotel nicht helfen konnte.
Also öffnete ich die Presseaussendungen der letzten beiden Quartale. Dann wurde mir einiges klarer. In den Aussendungen ging es darum, dass die Saison eröffnet wird, bzw. zu Ende geht. Dass ein Konzert mit einem berühmten Star statt finden wird (von dem ich aber noch nie gehört hatte). Dass dieses Konzert mit dem vermeintlich berühmten Star stattgefunden hatte. Dass es Frühling wird. Dass der Winter vor der Tür steht. Dass das Hotel deswegen wieder seine bewährten Packages anbietet.
Autsch! Das konnte natürlich nicht funktionieren. Solche Aussendungen wird jeder Redakteur sofort löschen. Presseaussendungen sind aber immer noch wirkungsvoll.
Wann machen Presseaussendungen Sinn?
- Wenn es etwas Neues gibt
- Wenn es einen aktuellen Bezug zu einem Thema gibt, das gerade im Zentrum des Interesses steht.
Jahreszeiten kommen und gehen. Das ist keine Neuigkeit. Das trifft auch auf Services zu, die es schon länger gibt. Natürlich können Sie eine Agentur beauftragen oder selbst eine Presseaussendung verschicken, in der nichts Neues steht. Aber Sie werden damit nichts erreichen.
Was macht man also als Unternehmen bzw. Destination, um in die Medien zu kommen? Was kann ein Hotel machen, wenn die Eröffnung und letzte spektakuläre Renovierung schon länger zurück liegt?
Die Antwort ist tatsächlich knifflig. Wenn Sie nicht die Zeit, Energie oder das Budget haben, um ein einzigartiges Angebot oder ein ungewöhnliches Event ins Leben zu rufen, dann wird eine Presseaussendung, so professionell sie auch gestaltet sein mag, nicht das Interesse von Reiseredakteuren erregen.
Was also tun?
Social Media? Ja, natürlich! Aber nicht nur.
Auch in diesem Fall kann sich klassische Medienarbeit auszahlen. Allerdings brauchen Sie dafür:
- eine Positionierung (Single-Hotel, autofreies Alpendorf, glutenfreie Küche)
- Einzigartigkeit (die erste Reederei in Frauenhand)
- ein privates Talent oder Leidenschaft (Extremsport, selbstgemachte Naturkosmetik, praktische Philosophie)
- ungewöhnlichen Background bzw. Story (Nullenergie-Hotel in Wien)
- viel Charisma (Reinhold Messner & seine Südtiroler Museen)
In all diesen Fällen, können Sie die Aufmerksamkeit von Journalisten auf einer anderen Ebene, als auf der News-Schiene, auf sich ziehen.
Sie haben schon Recht: Auch ein Single-Hotel ist nur einmal neu.
Nach der Eröffnung müssen neue Aufhänger und Anlässe gefunden werden. Das Single-Hotel kann sich zum Beispiel jedes Mal zu Wort melden, wenn es neue Studien zur steigenden „Vereinsamung“ in unserer Gesellschaft gibt. Wenn Feste anstehen, vor denen Singles grauen, wie Weihnachten und Silvester. Es kann eine Umfrage zum Thema durchführen: Wie verbringen Alleinreisende ihre Ferien. Oder auf diese Bezug nehmen.
Das soll jetzt nur eine kleine Anregung sein. Aber ich denke, es kommt rüber, was ich sagen möchte oder?
Ohne Einzigartigkeit, Besonderheit oder Geschichte geht es nicht!
In so einem Fall, machen Presseaussendungen keinen Sinn. Sparen Sie lieber Ihr Geld. Das heißt aber nicht, dass PR nicht funktioniert. Es heißt nur, dass Sie ein anderes PR-Werkzeug anwenden müssen. Das kann die direkte Einladung von Reiseredakteuren sein oder sogar Blogger Relations.
Und ja, auch in diesem Fall müssen Sie kommunizieren können, was Ihr Unternehmen bzw. Destination besonders macht.
Social Media ersetzt PR nicht. Das weiß ich auch aus eigener Erfahrung! In Kombination sind beide unschlagbar.
Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit PR gemacht? Sind Sie der Meinung, dass sich eine Positionierung auszahlt?
Wenn Sie PR-Verantwortlicher in einem Tourismusverband oder PR-Profi in einer PR-Agentur mit Tourismuskunden sind, dann informieren Sie sich über mein neues Angebot
NEU: PR & Social Media-Workshop – So bringen Sie Ihre Medienarbeit auf den neuesten Stand
- Neuer Workshop für Tourismus-PR-Agenturen &
- Neuer Workshop für Tourismusverbände






.
.