Gerade für Veranstalter von Kongressen und Events können Social Media im Allgemeinen – und Blogger Relations im Besonderen – eine Rolle beim Marketing und der Meinungsbildung spielen. Eine Veranstaltung, die ich bei meinen Social Media-Vorträgen für die MICE-Branche schon oft als Beispiel vorgestellt habe, ich die Konferenz NEXT. Bei der NEXT trifft die Internetbranche auf globale Brands und Konzerne.
Der Bloggerkoordinator, Djure Meinen, hat mir einige Fragen über den Einsatz von Social Media und das Blogger Programm rund um die NEXT beantwortet. Ich empfehle Ihnen die Lektüre auch, wenn Sie zwar kein Veranstalter sind, aber überlegen in Ihrer Destination oder Ihrem touristischen Betrieb Bloggerbeziehungen aufzubauen.
Seit wann lädt die Next Blogger ein?
Blogger waren schon immer fester Bestandteil der NEXT. In diesem Jahr haben wir das Thema noch ein wenig forciert, insbesondere mit dem Blick auf internationale Teilnehmer. Insgesamt wollen wir gut 100 Blogger auf der NEXT versammeln. Ca. die Hälfte davon können wir einladen, für die anderen stehen günstige Tickets zur Verfügung. Außerdem finden sich natürlich unter den Speakern und regulären Gästen einige, die sich als Blogger verstehen. Auch diese beziehen wir in unsere Betreuung mit ein.
Nach welchen Kriterien werden sie ausgewählt?
Reichweite, Reputation, fachlicher Bezug, Originalität und eine gesunde Portion Bauchgefühl. Mit jeweils unterschiedlicher Gewichtung. Wer sich vorab richtig ins Zeug legt, ist besonders willkommen. Ob lobhudelnd oder konstruktiv kritisch spielt dabei keine Rolle.
Inwiefern werden Blogger anders behandelt als die Presse?
Grundsätzlich erst mal gar nicht. Blogger und Presseleute sind für uns wichtige Partner, die sich auf der NEXT rundum willkommen fühlen sollen. Dabei spielen individuelle Faktoren eine viel größere Rolle, als die Frage, ob jemand sich als Blogger oder Journalist versteht. Deshalb haben wir auch gar nichts dagegen, wenn sich ein Blogger am Ende im Presse-Bereich wohler fühlt oder Journalisten in der Blogger-Area netzwerken. Gleiches gilt für die Ansprechpartner. Christoph Salzig kümmert sich zwar offiziell um die Presse, steht aber Bloggern genauso zur Verfügung, wie ich mich für Journalisten bemühen werde. Dem stärkeren Wunsch der Blogger nach persönlicher Vernetzung kommen wir im Vorfeld durch eine Gruppe bei Facebook nach. Die internationalen Blogger kommen zudem teilweise auf Einladung eines Hosts, der sich dann auch auf der NEXT ein wenig um seine Gäste kümmern darf.
Was verlangt die Next von den Offiziellen Bloggern als Gegenleistung?
Wir verlangen gar nichts. Aber natürlich verbinden wir mit unserer Einladung die Erwartung einer intensiven Auseinandersetzung mit der NEXT. Vor, während und nach der Veranstaltung. Sonst machte eine Einladung ja auch wenig Sinn. Blogger lösen das meist individuell im Rahmen ihrer Möglichkeiten und ohne ihre Authentizität zu strapazieren. Und wenn ein wenig Buzz via Facebook, Twitter oder Blog spannende Besucher auf die NEXT lockt, haben auch die Blogger etwas davon. Bedingung ist das nicht.
Zahlt sich der von Offiziellen Bloggern produzierte Content für die Next wirklich aus?
Uns ist die Anerkennung in der Blogosphere wichtig. Wir sind der Überzeugung, dass keine – wie auch immer geartete Veranstaltung – die sich professionell mit Webthemen oder Medien auseinadersetzt, die Zusammenarbeit mit Bloggern aussparen sollte. Dazu sind Blogs in ihrer Bedeutung schon seit Jahren viel zu wichtig.
Gibt es anschließend eine Ergebniskontrolle?
Deutschland gilt ja als Messweltmeister. Ich finde den Terminus Kontrolle unangebracht. Natürlich werden wir qualitativ analysieren, wie die NEXT in der Blogosphere abgeschnitten hat. Quantitative Auswertungen machen unserer Meinung nach hier wenig Sinn.
Viele, wenn nicht alle Next-Vorträge, werden im eigenen Next-Videoportal zugänglich gemacht? Habt Ihr keine Angst, dass die zahlenden Gäste ausbleiben?
Es werden nicht alle NEXT-Vorträge als Video zugänglich gemacht. Wir werden den internationalen Track einfangen und auch in den anderen Tracks dokumentieren, aber den Director’s Cut gibt es nur in der Station (Anmerkung: Veranstaltungslocation in Berlin). Außerdem geht es bei einer solchen Konferenz nicht nur um die Vorträge, sondern vor allem auch um das Networking, die Kontaktaufnahme und nicht zuletzt auch um die Side-Events, etwa den Elevator Pitch, die Stage im Market Place und die Workshops. Das kann nur vor Ort in Anspruch genommmen werden. Anders formuliert: Was nutzt mir der Videostream, wenn ich im Anschluss an einen Vortrag mit dem Sprecher in Kontakt kommen möchte? Jetzt und gleich. Das geht nur, wenn man als Teilnehmer vor Ort ist. Daher: Nein, wir haben keine Angst, dass die Videodokumentation Teilnehmer abhält zu kommen.
Wie beurteilst du den Einsatz von Twitterwalls?
Die Diskussion um Twitterwalls ist ziemlich 2009, oder? Inzwischen trägt doch jeder seine eigene Twitterwall als Smartphone in der Hosentasche herum. Es mag Formate geben, wo eine Twitterwall auf der Bühne eine Bereicherung ist. Größere Talkrunden etwa. Einem Redner ein Forum für Fragen, Kommentare und Schabernack in den Rücken zu stellen, war mal eine nette Provokation. Empfehlen würde ich das heute nicht mehr. Bei der Auswahl der Moderatoren legen wir aber natürlich großen Wert darauf, dass er konstruktiven Input – sei es aus dem Publikum oder von außen – aufgreift.
Die Blogger-Koordinatorin der LeWeb meinte (Artikel-Link), jeder Veranstalter sollte Wert auf das Wohlwollen der Blogger legen. Wie siehst du das?
Ich glaube, man muss hier differenzieren. Es geht bei der NEXT (und auch bei LeWeb) um kommerzielle Themen, um das Web als Wirtschaftsfaktor. Wenn wir nun vor lauter Furcht, ein studentischer Blogger oder ein Corporate Blogger könnte etwas Negatives über die NEXT schreiben, nur weil wir kein Freiticket zur Verfügung gestellt haben, massenhaft kostenlose Einladungen verteilen würden, würden wir dem Nassauertum Tür und Tor öffnen. Das wäre aus unserer Sicht der falsche Weg. Aber natürlich kümmern wir uns um die Blogger, die ein ernsthaftes Interesse an der NEXT haben, sich mit den Spannungsfeldern auseinandersetzen und geben ihnen was sie brauchen – dazu gehört im Idealfall eine Akkreditierung, aber eben vor allem auch die Unterstützung bei der Kontaktaufnahme zu den Sprechern, Veranstaltern und Kuratoren sowie entsprechendes Hintergrundmaterial.
Übrigens: Studierende Blogger können die NEXT für gerade mal 90,- € besuchen. Sie werden dann genauso als Blogger betreut wie auch Corporate-Blogger, die auf eigene Rechnung kommen. (http://nextconf.eu/next11/brain-up-your-daily-studies-and-catch-your-next-student-ticket/)
Soweit Djure Meinen über das Blogger Programm bei der NEXT. Aber halt, das Thema Blogger Relations macht natürlich nicht nur für Kongresse Sinn. Fortschrittliche Unternehmen laden Blogger mittlerweile auch zu Presse-Veranstaltungen ein. Mercedes Benz Deutschland beschränkt sich dabei nicht einmal nur auf themenrelevante Auto-Blogger, sondern streckt in alle Richtungen Fühler aus!
Hier ist Teil II: Social Media & Blogger: Do’s & Don’ts für Veranstalter Teil II
Die NEXT11 findet am 17. und 18. Mai in STATION-Berlin statt. Die Veranstalter SinnerSchrader and STATION-Berlin erwarten zum 10 Jahres-Jubiliäum rund 100 internationale Referenten und 2000 Teilnehmer, darunter Entscheidungsträger aus Medien-, Technologie- und Werbekonzernen, Investoren und Start-ups. Ich bin 2011 zum ersten Mal als offizielle Bloggerin dabei!
Mehr über Djure Meinen auf 50hz.de. Meinen ist Netzwerkpartner von Christoph Salzig, der für die Kommunikation der NEXT11 verantwortlich zeichnet.






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