Als Social Media-Konferenz bietet LeWeb ein professionell organisiertes Blogger-Programm an. Dieses Blogger-Programm wird seit Jahren von Stephanie Booth (Blog climbtothestars.org) koordiniert. In Paris habe ich sie nach ihren Erfahrungen bei der Gestaltung eines erfolgreichen Blogger-Programms bzw. Blogger Outreach-Programm befragt.
Im Interview erfahren Sie als Veranstalter von Kongressen & Events:
- wieso sich Offizielle Blogger bezahlt machen
- welche Blogger sich eignen
- wie ein Blogger-Programm aussehen kann
- worin sich Blogger von Journalisten unterscheiden
- ob man Blogger bezahlen muss
Stephanie: Worauf sollten Veranstalter achten, die zum nächsten Event Blogger einladen wollen bzw. ein Outreach Programm planen?
Am wichtigsten ist, dass der Koordinator für das geplante Blogger-Programm bereits über ein sehr gutes Netzwerk in der Blogger-Community verfügt, die der Veranstalter ansprechen will. Welche Blogger-Community relevant ist, hängt natürlich vom Thema der Konferenz ab. Geht es etwa um einen Social Media Kongress, dann ist die Social Media-Community wichtig. Bei einem Mode Events sollten dagegen natürlich die Fashion Blogger angesprochen werden.
Der Aufbau eines Netzwerk ist zeitaufwändig. Egal um welchen Bereich es sich handelt: Man braucht mindestens ein halbes Jahr, um Kontakte aufzubauen. Deswegen ist es wichtig, dass der Verantwortliche bereits diese Kontakte und Beziehungen innerhalb der entsprechenden Blogger-Community mitbringt.
Was auch beachtet werden muss: Es gibt zwei verschiedene Ausgangssituationen für Veranstaltungen. Reißen sich jetzt schon Hunderte von Bloggern darum, zu Ihrer Konferenz zu kommen? Oder kennen die infrage kommenden Blogger Ihren Kongress gar nicht?
Als Veranstalter muss man genau wissen, welche Situation zutrifft, denn davon hängt die Strategie ab, und die ist vollkommen verschieden.
In der ersten Situation, wie auch hier bei LeWeb, ist das Blogger-Programm kein „klassisches“ Blogger Outreach-Programm, weil LeWeb ohnehin beste Kontakte zu Bloggern pflegt und sich vor potenziellen Bloggern kaum retten kann, die an dieser Veranstaltung teilnehmen möchten.
Danach richtet sich auch der Fokus des Blogger-Programm: Es geht darum die ohnehin eintreffenden Anfragen von Bloggern zu bewältigen. Und durch diese vorteilhafte Ausgangssituation können wir das Potenzial, das die Blogger mitbringen auch für die Bewerbung der Veranstaltung nutzen.
Könnte man als Veranstalter eines beliebten Events nicht einfach auf Offizielle Blogger verzichten?
Ja und nein. Das ist genauso wie bei der Presse: Natürlich könnte man auch eine Veranstaltung ohne offizielles Presseakkreditierung machen. Und trotzdem macht das kein Veranstalter. Alle Veranstalter sollten Wert darauf legen, dass Blogger sie mögen.
Überall haben Blogger in den letzten Jahren mit mehr oder weniger Erfolg versucht, als Pressevertreter in Konferenzen zu kommen. Aber die Ansprüche von Bloggern und Journalisten sind sehr verschieden. Jeder Veranstalter sollte sich darüber Gedanken machen und realisieren, welches Potenzial Offizielle Blogger bedeuten. Blogger-Programme sind also die logische – und vor allem professionelle – Konsequenz.
Als Veranstalter muss man auch überlegen, welche Beziehung man mit diesen Offiziellen Bloggern aufbauen möchte, egal ob sehr viele Blogger kommen möchten, oder ob man diesen Bereich gerade erst aufbaut.
Sollte man Blogger anders behandeln als die Presse?
Ich würde sagen, dass beide sehr verschieden sind. In der Beziehung mit Journalisten spielt meist ein gewisses Ungleichgewicht mit. Man lädt Journalisten ein. Sie kommen und können tun und lassen, was sie möchten. Nicht selten berichten sie sogar gar nicht über die Veranstaltung oder den Kongress!
Mit Bloggern kann man als Veranstalter dagegen einen weitergehenden und auch nachhaltigen Dialog aufbauen. Und Veranstalter können als Gegenleistung von Offiziellen Bloggern verlangen, dass sie vor, während oder nach dem Event bloggen, einen Banner veröffentlichen, Interviews machen, Fotos und Videos schießen.
Neben dem Gratis-Eintritt gibt es noch weitere Möglichkeiten. Hier auf der LeWeb gibt es zum Beispiel analog zur Presselounge eine eigene Blogger-Lounge, die von yahoo Frankreich gesponsert wird. Eine andere Möglichkeit sind Roundtables mit interessanten Referenten nur für Blogger, und auch Exklusiv-Besichtungen oder -Partie. Das zahlt sich aus, weil Blogger sehr enthusiastisch sind. Anders als die Journalisten wollen sie wirklich am Event teilnehmen.
Was sollte man von den Offiziellen Bloggern als Gegenleistung verlangen?
Das hängt von der Situation ab. Will man, dass sie die Konferenz im Vorfeld promoten, dann wird man Wert auf Content legen, der rechtzeitig vorher online geht. Ist man eher an Berichterstattung nach dem Event interessiert, dann muss man kommunizieren, dass der Content während oder nach dem Event veröffentlicht werden soll.
Ist ein Blogger Programm viel Arbeit?
Mein Tipp: Unterschätzen Sie nicht, wie viel Arbeit die Organisation bedeutet. Die Kommunikation mit Bloggern ist zeitaufwändiger als mit Journalisten. Wieso? Man muss mit ihnen einen Dialog führen. Wobei ich schon erwähnen möchte, dass engagierte PR-Verantwortliche sich auch mit Journalisten intensiv austauschen.
Wie sucht man als Veranstalter die passenden Blogger aus?
Sie sollten Kritierien festlegen wie Reichweite des Weblogs, Sprache, Markt bzw. Publikum. Diese können je nach Situation variieren.
Sollte man für die Teilnahme als offizieller Blogger bezahlt werden?
Das ist eine Frage von Angebot und Nachfrage. Gibt es Blogger, die liebend gerne zu Ihrer Veranstaltung kommen wollen? Dann nehmen sie in Kauf, dafür nicht bezahlt zu werden. Es hängt wirklich davon ab, wie attraktiv der Event ist, und ob es Blogger gibt die auch „gratis“ berichten würden.
Zahlt sich der von Offiziellen Bloggern produzierte Content wirklich aus?
Das ist eine gute Frage. Zur LeWeb kommen über 2500 Teilnehmer aus 60 Nationen. Aber ich bezweifle, dass ausreichend qualitativ hochwertiger Content veröffentlich werden würde – ohne unser Blogger Programm. Und dieser von Offiziellen Bloggern produzierte Content vermittelt später auf den vielen Online-Plattformen einen guten Eindruck davon, wie die Konferenz wirklich war. Der Vorteil liegt an der Vielfalt von verschiedenen Contents und Perspektiven.
Auch wenn die Teilnehmer auf Twitter und Facebook schreiben: Tweets und Facebook-Updates von Teilnehmern sind einfach nicht nachhaltig genug!
Falls Sie noch nicht überzeugt sind: Suchen Sie auf flickr, YouTube oder einfach in Google nach dem Schlagwort LeWeb.
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