Nur authentische Werbung verkauft im Tourismus

Was Authentizität im Tourismus verloren hat, und was das mit Schokoladewerbung zu tun hat. Darum geht es in diesem Beitrag.

Stellen Sie sich vor: Es ist November. Es ist kalt. Sie haben seit vielen Wochen die Sonne nicht gesehen. Vor dem Fenster ist der Nebel so dicht, dass Sie kaum das nächste Haus sehen. Da kann das Gemüt eine Erhellung gebrauchen, nicht wahr? Und die kommt, in Form einer Kuh, die Sie beim Internetsurfen anblickt. Sie klicken auf die Schaltfläche, um den Ton zu hören. Und tatsächlich, die Kuh entführt Sie auf eine sommerliche Almweide. Die Vögel zwitschern, die Bienen summen, das Leben ist schön!

Sie fühlen das Gras unter den Füßen. Sie riechen förmlich die Natur. Und was mich betrifft, ich plane gedanklich schon den nächsten Urlaub in den Bergen. Es leben hoch die alpenländischen Destinationen!

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Wer das möglich macht? Ein Tourismusverband? Seine findige Tourismusmarketingagentur? Ein großer Tourismusvordenker? Nein, ein sehr bekannter Schokoladenhersteller. Leider!

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Leider, weil diese simple Idee eigentlich einer der vorher genannten hätte haben sollen. Wie kann man die Schönheit der Alpen online besser verkaufen als mit einem kurzen Videoclip? Wieso gibt es so etwas nicht auf den Webseiten der westlichen Bundesländer ? Oder auf den vielen Wander-Webseiten? Hier hätte gleich ein nettes Package gepasst. Ich hätte sofort mein Geldbörsel geöffnet.

Wenn Sie weiterklicken, spendiert Ihnen der Schokoladehersteller noch mehr "Alpenmomente". Und hier hört sich dann der authentische Spaß auf! Hier sind wir mitten in der werblich-inszenierten Tourismusidylle zum Schlechtwerden, die wir doch alle so satt haben!

Wenn Sie das Video mit den Kindern vor der Almhütte ansehen, wissen Sie was ich meine.

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Zuerst sitzen die Kinder artig in ihrer schönsten Alpentracht (!) vor der blitzsauberen Hütte. Kein einziges Grashalm tanzt aus der Rolle. Der Hintergrund wirkt surreal. Vielleicht liegt es an der Beleuchtung. Jedenfalls wirkt es nicht echt. Es lässt Böses erahnen. Dieser Verdacht erhärtet sich.

Denn die Kinder sitzen nicht lange untätig da. Die Mädchen springen wie auf Kommando vom Zaun, fassen sich wort- und blicklos an den Händen und beginnen sich im Kreis zu drehen. Zur plötzlich ertönenden Musik. Alpenkitsch, inszeniertes Alpenklischee. Auf die anderen Clips hatte ich dann keine Lust mehr. Mein virtueller Alpenurlaub war hier zu Ende. Mein virtuell gezücktes Geldbörsel schnappte zu. Der November war wieder kalt und sehr grau.

Woran mich das erinnert? Das erinnert mich an klassische Tourismuswerbung. Leider! Diese Idee reift entweder schon in manchen Marketingabteilungen oder wurde in der Vergangenheit umgesetzt. Ob das verkauft? Nein, ich glaube nicht. Und war es nicht viel einfacher die Kuh abzufilmen? Ich denke schon. Und wirksamer auch!

Wie können Sie als TouristikerIn von dieser Idee profitieren? Überlegen Sie, wie Ihre Urlaubsidylle, Ihr Ausflugsziel, Ihr Betrieb authentisch für das Internet  in Szene gesetzt werden kann – statt ein Klischee zu inszenieren.

Es muss nicht immer Video sein, das Ganze kann auch durch ein Foto, eine Fotoserie oder einen Blogbeitrag vermittelt werden. Und wenn Ihnen das gelingt, können Sie sicher sein, dass sich Ihr guter Content in den Online-Networks verbreiten wird. 

Kennen Sie Tourismus-Webseiten, die ihre Vorzüge gut online in Szene setzen? Dann lassen Sie es uns hier wissen.

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7 Responses to “Nur authentische Werbung verkauft im Tourismus”

  1. Hi Helge, und auch das noch… ;-)

  2. Kay Jarchow sagt:

    Das ist doch in jedem Bereich so. Mit der Authentizität gehen die Kunden!
    Beste Grüße
    Kay Jarchow

  3. Daniel sagt:

    schöner Artikel!

  4. Hallo Kay, hallo Daniel, danke für eure Kommentare.

  5. Wir versuchen mit unserem Blog http://blog.badkleinkirchheim.at in diese Richtung zu gehen (authentische Inhalte aus der Region und Geschichten) und zeigen so v.a. auch die Menschen, die hinter den Produkten und Urlaubserlebnissen stehen.

    Der Blog ist jetzt seit September 2009 online, die Herausforderung liegt m.E. in der Innenwirkung, denn wir Touristiker (in Destinationen) haben ja unseren Mitgliedern jahrelang vorgepredigt, dass der Content auf Webtext udgl. abgestimmt sein muss und von Agenturen “veredelt” wird – und jetzt laden wir sie auf einmal zum “mitwirken” ein. Da sehe ich oft fragende Gesichter.

  6. Hallo Stefan,

    Moment… Authentizität bedeutet nicht, dass man jetzt jede orthografische Eigenwilligkeit durchgehen lassen kann, dass Texte ohne ganze Sätze auskommen, dass Mitarbeiter über jedes Thema schreiben sollen – von Hausbau über die Führerscheinprüfung der Tochter -,etc.

    Natürlich macht es Sinn, wenn auch die neuen Blog-Texte sich an bestimmten Regeln orientieren. Und nicht jeder kann einen guten Text schreiben.

    Insofern sehe ich nicht sooo einen großen Schwenk. Eigentlich geht es ja vermutlich jetzt eher darum, dass die tollen Geschichten der Mitglieder der Regionen und Mitarbeiter der Hotels “herausgekitzelt” werden sollen, natürlich mit Tourismusbezug bzw. tourismusförderndem Ziel.

    Ich denke, das gehört vermittelt.
    Karin

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