Ein Leser hat nach meinem Dresden-Beitrag Destinationen im Netz – Ob Web 1.0 oder 2.0 ist egal, Hauptsache gut gemacht! gefragt:
Baut eine Destination durch die Zusendung von Prospekten, Katalogen und Infos über alle Attraktionen, Events und kulturelle Veranstaltungen nicht ihre Positionierung aus? Selbst, wenn sich der potenzielle Gast nicht für einzelne Themen und Events interessiert, oder an einem anderen Zeitpunkt anwesend sein wird?
Die Frage ist gut. Schließlich ist die Bitte um Prospekte ein direkter Kontakt zwischen potenziellem Gast und der Destination. Und somit die einmalige Gelegenheit für die Destination, sich in all ihrer Pracht zu präsentieren. Und wer weiß, vielleicht interessiert sich der potenzielle Besucher ja tatsächlich für Travestie-Shows und Detektivprogramme für Kinder zugleich. Kinderlose Besucher oder solche, die ohne ihre Kinder anreisen wollen, haben ja schließlich Bekannte und Freunde mit Kindern. Den Medien wird schließlich auch die gesamte Bandbreite an Themen präsentiert.
Ich kann die Frage nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. Denn das hängt von Art, Größe, dem touristischen Angebot, der Positionierung und der Bekanntheit der Destination ob.
- Eine wenig bekannte – nicht gesättigte – Region ist immer gut bedient, unterschiedliche Angebote zu präsentieren.
- Bekannte & attraktive Städtedestinationen und Regionen sollte gezielter vorgehen. Siehe mein Dresden-Bericht
- Das trifft auch bei nicht gesättigten Städtedestinationen zu (wie Dresden).
- Eine wenig bekannte, kleine Städtedestination sollte tatsächlich über all ihre Vorzüge informieren. Dabei kommt dennoch kein Infopaket mit einem Kilo an überflüssigen Katalogen zustande. Der Auftritt von Stars wie Lang Lang oder Montserrat Caballe in einer solchen Destination – selbst außerhalb des Aufenthaltes des Gastes – wirkt sich auf die Reputation bzw. Positionierung natürlich positiv aus. Da kann man gerne den Flyer beilegen.
Wie stehen Sie zu dem Thema? Haben Sie andere Erfahrungen gemacht?
Lesen Sie auch:
Destinationen im Netz – Ob Web 1.0 oder 2.0 ist egal, Hauptsache gut gemacht!
Tourismusverbände im Internet & Prospekte – die Dritte
Schön, dass Sie wieder hier sind :-) Kennen Sie schon meine Leistungen für Sie?




Hi Karin, wir vom Bodensee-Tourismus Service beantworten an manchen Tagen über 1000 Prosopektanfragen mit unserem Mailinghouse für die Destination Bodensee. Das geht für die Beteiligten sehr ins Geld, und man kann sich zu Recht fragen, ob man mit dem selben Geld und Aufwand nicht viel mehr erreichen könnte. Ich bin, was meine eigenen touristischen Produkte betrifft, durchaus dieser Meinung!
Was ich festgestellt habe:
(a) Der Erfolg der Touristinfo einer kleinen touristischen Region (sagen wir, eines Ortes) wird meist nur daran gemessen, wie viele Prospekte verschickt wurden. Das meldet die Halbtageskraft an ihren Bürgermeister. System also nicht in weniger als 10 Jahren änderbar, weil die betreffender Person innovationsresistent und unkündbar.
(b) Auf der ITB habe ich alle deutschen fahrradspezifischen Prospekte eingesammelt. Knapp die Häfte davon war durch irgendwelche EU-Fördertöpfe kofinanziert (meist Interreg). Oder in anderen Worten: mit der Herausgabe von knapp der Häfte der Prospekte wurde nicht zuletzt das Ziel verfolgt, durch Kofinanzierung und übertriebe Darstellung von “Sowiesokosten” bestehende Stellen zu refinanzieren. Leider.
Hallo Peter,
danke für deinen wertvollen Input!
Ich habe extra alle Dresden-Prospekte aus der Versenkung geholt – sie sind nicht EU-gefördert. Das macht es natürlich nicht unbedingt besser.
Aber es stimmt schon, seinen touristischen Partnern ggü brüstet man sich am Jahresende mit der Zahl der versandten Prospekte.
Der Versand von Prospekten ist schon alleine dadurch ein diskutierenswertes Thema, dass er sehr teuer ist, wie Peter auch schon anmerkte. Die Problematik, dass der Prospektversand eine Messgröße für den Erfolg einer DMO verwendet wird, stellt eigentlich ein Armutszeugnis der entsprechenden Verantwortlichen dar. Noch dazu kann ich aus eigener touristischer Erfahrung sagen, dass der Response auf die Prospekte nur selten wirklich gemessen wird (zb via geompapping). Und wenn man dann auch noch die Minimalbudgets für Onlinestrategien sieht, dann schreit das doch eigentlich nach Änderung.
VIEL WICHTIGER schätze ich aber einen anderen Punkt ein: Oft wird der Druck und Versand von Prospekten bei der inhaltlichen Arbeit mangels Kompetenz und Erkenntnis vor das Thema Markenbildung und Markenführung gesetzt.
Diese beiden Begriffe sind die Grundlage aller weiteren Schritte. Nur wenn dieser Schritt qualitativ gut ausgeführt und gehalten wird, können die weitergehenden Maßnahmen erst erfolgreich sein. Die Positionierung / das Reputation Management einer Destination wird doch nicht nur über Prospekte gestützt, viel wichtiger ist das Thema Marke, USP & Image. Das gilt übrigens auch für das Thema Web2.0-Vermarktung – ohne eine klare Markenstrategie ist auch diese relativ uneffektiv / sinnlos.
Hallo Daniel, danke für deinen Beitrag. Hier ist meine Einschätzung: http://passionpr.typepad.com/tourism/2008/04/tourismusverbnd.html