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Destinationen im Netz – Ob Web 1.0 oder 2.0 ist egal, Hauptsache gut gemacht!

Wie gestern berichtet bin ich im Juni Vortragende beim Jahreskongress 2008 des Hotelverband Deutschland in Dresden. Wegen der schlechten Flugverbindungen werde ich am Vortag anreisen. Das ist nicht soo schlimm, weil ich seit der großen Medienoffensive vor einigen Jahren anlässlich der Einweihung der renovierten Frauenkirche positive Bilder mit Dresden verbinde. 

Um die knappe Zeit am Vortag optimal zu nutzen, beschloss ich diese Geschäftsreise geplanter als sonst anzugehen. Also gab ich letzte Woche "Dresden + Tourismus" in Google ein und klickte beim Resultat todesmutig auf den dritten Link dresden.de. Womit ich glücklicherweise richtig lag. Ich wollte mir ganz schnell einen Überblick der Top-Attraktionen verschaffen. Zum Beispiel durch eine Liste, ein Ranking, am liebsten mittels Download.

Das war mir nicht vergönnt. Auf der Startseite musste ich erst alle Event-Teaser durchforsten. Leider fiel davon keiner in meinen Besuchszeitraum von ca. 5 Stunden. Auch bei der "Schnell zum Ziel"-Navigation wurde ich nicht fündig. Weder suche ich barrierefreie Angebote, noch das junge Dresden noch Gruppenreisen. Also klickte ich in der Navigation auf Sehenswürdigkeiten.

Was ich mir von dem Menü erwartete? Eben eine Auflistung der Top-Attraktionen. Geboten wurde mir hingegen die geografische Aufschlüsselung der Stadt. Wieso? Ich wollte doch nur schnell Infos über die Attraktionen finden, die sich seit dem Presserummel damals in einem sehr entfernten Winkel meines Hinterkopfes befinden. Mich interessiert nicht, ob Dresden sich in Neustadt, Elbhang, Hellerau, Altstadt oder sonst wie gliedert. Hier war ich bereits überfordert.

Für diese Ungeduld gibt es einen Grund: Schließlich habe ich auf meinem Business-Trip vielleicht zwei Stunden Zeit für ein touristisches Programm. Der Rest wird für Einstimmen, Essen, Verlorengehen und Orientierung drauf gehen. Da kann niemand erwarten, dass ich mich mehr als fünf Minuten im Internet zu Informationen durchkämpfe!

Die dargebotene dürftige Bildercollage kaum erkenntlicher Sights konnte meine Verstimmung  keineswegs mindern. Im Gegenteil. Dann fand ich einen Link auf den Stadtführer zum Herunterladen. Yeah! Wahrscheinlich ist der auch ordentlich gemacht. Aber die Schrift ist beim Ausdruck am eigenen Drucker so mikroskopisch winzig, dass sogar Adlerauge Karin sie nicht entziffern konnte. Ich übertreibe wirklich nicht!

Unter dem Menüpunkt Dresden Erleben wird zwar der Hinweis und Link auf die Höhepunkte angeführt. Dieser Link führt allerdings wieder auf Sehenswürdigkeiten. Oh ja, es gibt einen Online-Themenstadtführer. Der gehört zur Stadtverwaltung und listet das Thema Sehenswürdigkeiten ganz zuletzt auf, lange nach Behörden, Friedhöfen, Krankenhäusern und öffentlichen Toiletten. Die Navigation in dem viel zu kleinen Kartenausschnitt gestaltet sich zudem beschwerlich. Und was nutzt mir die Druckfunktion, wenn dieser Ausschnitt keine 400 x 400 Pixel beträgt, selbst wenn der dann eine ganze A4-Seite füllt?

Dreakt

Auch der Städteführer des deutschen Lifestyle-Magazins Max lieferte keinen Trost. Diesen konsultierte ich schon für Citytrips in Europa, bevor ich in die Tourismusbranche wechselte und lernte, dass es offizielle Webseiten von Tourismusverbänden gibt. Doch der Max-Cityguide wurde beim Relaunch derartig aufgemotzt, dass ich mich nicht mehr zurecht finde.

Also tat ich etwas, was ich sonst nie mache. Um Zeit zu sparen, beschloss ich Prospekte zu bestellen. Ganz wie in den alten Zeiten. Ich klickte also in der Hauptnavigation auf Informationsmaterial. Aufgrund des Designs dachte ich, dass dieses mir Auswahlmöglichkeiten bot. Fein, schließlich brauche ich für die wenigen Stunden weder die Dresden-Card noch Infos über Pauschalprogramme. Und Geschäftsreisende wählen Hotels wohl kaum aus dem Hotelverzeichnis, sondern buchen auf Online-Hotelplattformen. Aber die Viereckt-Kästchen trügten, ich konnte keine genaueren Angaben machen.

Drepro_2

Was mich noch wunderte: Es wurde nicht abgefragt, wann ich ungefähr kommen wollte und für wie lange. Eine automatische Bestätigungsmail signalisierte mir immerhin, dass mein Ansinnen aufgenommen wurde. Gestern war dann das Material im Briefkasten – ein dicker, schwerer Umschlag mit stolzen € 4,50 Porto. Darin enthalten: ein fast 70-seitiger Pauschalangebote-Prospekt, ein über 30-seitiger Hotelprospekt, viele Flyer und Kataloge für Programme an Tagen, an denen ich nicht in Dresden bin bzw. viel zu lange dauern würden – wie Tagesausflüge, mehrstündige Schiffsreisen – sowie ein Prospekt für Travestie-Shows und ein Flyer für Familien.

Das Motto schien: "Für irgendwen irgendwas irgendwann". Was ich davon konkret brauchen kann sehen Sie unten rechts.

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Interessant sind die einseitigen Mini-Flyer für Frauenkirche und Schatzkammer, der Mini-Spielplan für die Semperoper und der Einblatt-A4-Stadtplan.

Dreprosinn

Diese Druckwerke hätten sogar in einen Standard-Briefumschlag gepasst.

Dretat

Den Rest muss ich quasi in die Altpapier-Tonne schmeißen. Wer mich kennt, weiß wie ich Verschwendung verabscheue.

Dreweg

Fairerweise muss ich zugeben: Hätte ich nur die Geduld aufgebracht, mich durch die Stadtteile zu klicken! Unter dem Submenü Altstadt hätte
ich die Liste mit den Top-Attraktionen gefunden. Der richtige Weg wäre gewesen: Home > Sehenswürdigkeiten > Altstadt > Ziel

Welche Rückschlüsse lassen sich aus dieser Erfahrung ziehen?

  1. Mein Irrweg durch die
    Seite beweist, dass bei der Konzeption nicht automatisch von einem "richtigen Weg
    zum Ziel" ausgegangen werden kann. Ich rate daher jeder Destination, ihre
    Top-Attraktionen schon von der Startseite aus auffindbar zu machen.
  2. Schlüsseln Sie Ihre Highlights nicht geografisch auf. Der
    potenzielle Gast will sich nicht erst noch mit der Geografie seiner Destination vertraut machen müssen. Dies gilt besonders für Städte!
  3. Downloads sollten speziell für Selbstdrucker optimiert werden. Stellen Sie keine Printbroschüren eins zu eins ins Netz.
  4. Wie ist die Prospektbestellung bei Ihrer Webseite? Kann die Anfrage nach Prospektmaterial zielgruppengerechter gestaltet werden? Sie brauchen dafür nicht zwingend einen Terminkalender. Die Auswahl der ungefähren Besuchslänge (unter 24 Stunden, bis 3 Tage, länger) und der Anlass (Familienurlaub, Geschäftsreise, Citytrip) optimiert die Behandlung der Anfrage. Als Tourismusverband haben Sie da sicher noch mehr Ideen!
  5. Wieso ich diesmal nicht gleich auf Googlemaps, YouTube und Flickr recherchierte? Bei der Kürze des Aufenthaltes hätte es sich nicht gelohnt! Und, ich brauche keine Inspiration, da ich ja auf jeden Fall nach Dresden fahren werde. Das bedeutet nicht, dass Sie Ihren potenziellen Gästen keine inspirierenden Bildergalerien bzw. Web 2.0-Tools bieten brauchen.
  6. Bitte, bitte unterschreiben Sie den Begleitbrief. So bekommt das Paket eine menschliche Note. Denn wir wissen ja:
    Nicht Unternehmen oder Organisationen kommunizieren, sondern Menschen!
    In unserem Falle sind das die Mitarbeiter der Tourismusverbände.

Bedenken Sie: Ihre Website darf nicht Ihr Medium zweiter
Klasse sein! Dementsprechend sollten Sie für die Webkonzeption,
Internetstrategie und Betreuung die besten und erfahrensten Mitarbeiter
einstellen!

Wieso Sie das etwas angeht, selbst wenn Sie als MitarbeiterIn eines
Tourismusverbandes nicht für die Webseite zuständig sind: Weil Ihre
Arbeit durch eine suboptimale Webkonzeption zunichte gemacht oder
erschwert wird.

Mein Beispiel beweist, dass die Presseabteilung der
Dresdner Tourismuszentrale
ganze Arbeit geleistet hat. Die schönen
Fotos und Berichte in Hochglanzmagazinen vermochten, meine in der
Schulzeit mental abgespeicherten Fotos und Geschichten vom völlig ausgebrannten Dresden nach dem Krieg zu ersetzen. Wie wäre es also auch im Netz mit einem entsprechenden Pendant? Oder soll die ganze Arbeit – auch der Gästeabteilung – umsonst gewesen sein?

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Schön, dass Sie wieder hier sind :-) Kennen Sie schon meine Leistungen für Sie?

Dieser Beitrag wurde geschrieben von:

Karin hat 342 Artikel auf Tourismus & Web 2 Social Media | FastenYourSeatbelts.at | Karin Schmollgruber geschrieben.

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2 Antworten zu “Destinationen im Netz – Ob Web 1.0 oder 2.0 ist egal, Hauptsache gut gemacht!”

  1. Finally I see you concur with what I try to say wit my Nothing Zen series (http://www.happyhotelier.com/category/zen/) :-)

  2. Manuel sagt:

    Danke für diese “aus der Praxis”-Beispiel.

    Die Angabe eines “Grunds” für die Prospekt-Zusendung ist noch aus mehreren Gesichtspunkten wichtig
    - Zeitersparnis (wer weiß, wie viele Leute täglich sich das ganze Paket bestellen)
    - Geldersparnis (Prospekte kosten auch Geld, und das Porto wird geringer, wenn nur die nötigen Infos verschickt wird)
    - “Gefühl von Personalisierung” – Der potenzielle Gast hat das Gefühl, dass auf sein Anliegen nicht per Schema F geantwortet wurde. Wenn dann in der Serienbrief-Vorlage noch ein: “Wir hoffen, dass wir mit diesen Unterlagen ihren [Variable Aufenthalts-Art] unterstützen konnten. etc.” eingebaut wird, ist es schon mehr als nur ein “Hauch” von Personalisierung ;-)

    Grüße aus Badenweiler!

    PS.: Habe gerade mal nachgesehen – auf badenweiler.de sind die Sehenswürdigkeiten nur zwei Klicks entfernt “In und um Badenweiler” / Sehenswürdigkeiten”. Gut… sind ja auch nicht so viele :-)

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