
Jörg Möllenkamp, Sales-Mitarbeiter von Sun, bloggt seit über drei Jahren über das Sun Open Solaris System. Seine Ausgangsthese bei der re:publica 2007 in Berlin: Marketingabteilungen sollte nicht über komplexe technische Produkte bloggen. Darüber sollten gleich die Technik-Profis schreiben. Was verständlicherweise einige beleidigte Reaktionen seitens der wenigen Marketing-Leuten im Publikum hervorrief.
Blogging wurde per Rundmail bei Sun eingeführt. Als erster und wohl bekanntester Sun-Blogger gilt der CEO Jonathan Schwarz. Sein Appell lautet: Bloggt über das, was Euch bewegt, was ihr macht und tut geniales und schreibt darüber.
Die Regeln sind einfach (sorry auf Englisch)
- It’s a two-way street
- Don’t tell secrets
- Be interesting
- Write what you know
- Obey financial rules
- Quality matters
- Think about consequences
- You don’t have to blog on blog.sun.com
- Disclaimers are useful (sometimes)
Auf dieser Basis dürfen Sun-MitarbeiterInnen weltweit hochoffiziell in ihrer Arbeitszeit über ihre Arbeit bloggen. Der Nutzen für das Marketing, die Kundenbindung und die Produktverbesserung sind geradezu revolutionär. Möllenkamp: "Auträge bringen Blogs, wenn der Nutzen für die LeserInnen klar und verwertbar ist." Bei Sun ist auch die Verbindung mit regelmäßigem Posting in den entsprechenden Foren von Heise & Co sinnvoll. Denn er erzählt uns, wie ein technischen Problem durch das aktive Beobachten von und Posten in Foren rechtzeitig erkannt wurde, bevor es "explodieren" konnte.
Möllenkamp sieht Bloggen als die Vermarktung und den Einsatz der eigenen Glaubwürdigeit. Und Glaubwürdigkeit habe eben viel mit der eigenen Meinung zu tun. Instrumente des klassischen Marketings würden mit denen des New School Marketing ergänzt. Denn Blogs sind "Marketing das kein Marketing ist, kein Marketing sein will, aber die gleiche Wirkung hat." Schließlich solle Marketing nichts anderes als ein Bedürfnis wecken. Und Blogs können das "en passant".
Ich wollte wissen, ob MitarbeiterInnen denn auch hochoffiziell ihre Arbeitszeit für Lesen und Schreiben von Online-Communitys bzw. das Kommentieren und Vernetzen von anderen Blogs nutzen dürfen. Dazu meinte er ein wenig verschmitzt, es gebe dazu keine offiziellen Regeln, aber im Rahmen der eigenen Zielerreichung sei das bei einem US-Unternehmen natürlich möglich. Wer seiner Arbeit dadurch nicht mehr nachkommt, macht etwas falsch. Mit dem Begriff Businessblog hat Möllenkamp ein Problem. Das sei für ihn wie die Werbung in der Halbzeit einer Fußballübertragung im TV. Da geht man aufs WC. Glaubwürdig seien sie obendrein nicht. Der Blog von CEO Jonathan Schwarz gilt als Vorzeigeblog, aber der des deutschen Unternehmenssprechers dümpelt vor sich hin. Was soll der gute PR-Mann auch erzählen?
Für den Umgang mit Trollen, deren Dichte auf Technik-Foren und -Blogs besonders hoch ist, hat Möllenkamp Textblöcke erstellt. Bei intelligenten Edeltrollen sei das Handling aber schon komplizierter. Wieso sie ungerechtfertigte Kommentare in Foren überhaupt ernst nehmen? Weil Blogs Memegeneratoren seien (Meme bei Wikipedia). Und das gelte auch für Blog-Kommentare und Einträge in Foren. Durch Suchmaschinen werden sie für alle Ewigkeit zu Tatsachen, wenn man sie nicht richtig stellt.
Möllenkamp räumte mehrmals ein, dass es schwierig sei, nicht zuviel über Firmeninterna zu verraten. Gerade wenn es um Produktinnovationen gehe. Dennoch überwiegen die Vorteile.
Ich hab mich nach seinem exzellenten Vortrag (416-Folien im Lawrence Lessig-Stil) an Moellenkamps Fersen geheftet und erfahren: Bei Sun gab es keinen großen Big Bang zur Einführung von Bloggs, wie das etwa bei der Telekom Austria der Fall war (siehe Bredls Blog). Es gibt auch keine Goodies und Ratschläge oder andere Belohnungen.
Was bedeutet das aus der Sicht der Reiseindustrie:
- Anbieter, die Reiseplattformen und Communitys nicht lesen, bzw. negative Kommentare nicht aktiv begegnen oder durch Richtigstellung entkräften, zerstören damit ihren Ruf.
- Bloggende MitarbeiterInnen bringen einen klaren verwertbaren Nutzen für das Marketing und die Produktweiterentwicklung.
- Ein Big Bang ist nicht notwendig, aber Regeln zur Orientierung und Selbstschutz sowie die klare Erlaubnis, dies unter Firmenlogo, mit Firmenressourcen und während der Arbeitszeit zu tun, sind wichtig. Stellen Sie sich nur vor, wenn Destinationsmarketingagenturen ihre MitarbeiterInnen aufrufen würden, über ihre Arbeit zu bloggen. Gerade im englischsprachigen Raum wäre der Nutzen unglaublich. Aber auch Wien-BesucherInnen sind zu dreiviertel aus Deutschland und Österreich. Hier würden sogar deutschsprachige Blogs reichen.
Die Präsentation finden Sie hier in Möllenkamps Blog






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Sehr schöne Zusammenfassung! So bin ich auch zu der exzellenten (wunderbare Formulierung im Beitrag) Präsentation bekommen.
Vielen Dank dafür.
Ach, noch etwas:
DAS geht sich aus!
;0)
Liebe Grüße
Hm, Markus c’est toi? Wo issn dein Impressum. Warte nur, bis ich dich abmahne. Danke für Kommentar & Link. Super, deine Site. Werde sie abonnieren, falls es “sich ausgeht”.